Das Gefühl verlassen sein

verlassen und einsam

Das Gefühl von Verlassen-Sein kenne ich sehr gut. Nicht in dem Sinn, dass ich räumlich verlassen wurde. Bei mir war es eher, dass ich mit meinen Problemen, mit dem was mich bewegt hat, aber auch mit meinen Fragen, welche unbeantwortet geblieben sind, alleine gelassen worden bin – als Kind und als Teenager.

Ich kann mich noch an einen Satz erinnern – ich war vielleicht 14 – der mir in den Sinn kam, als ich von meinen Eltern wieder einmal mit einem Problem stehengelassen wurde. Dieser Satz war: „Die werden mich immer im Stich lassen.“ Er kam wie aus dem Nichts und traf mich wie der Blitz. Ich weiß noch wo ich stand und ich fühlte mich zutiefst verlassen in dieser Welt.

Erst später – im Rückblick – wurde mir klar, dass das Ausmaß dieses Verlassen-Seins größer war, als man vermuten könnte. Es bestimmte in vielen Bereichen mein Leben. Und auch ich habe in meiner Unbewusstheit Menschen verlassen.

Ich weiß, dass dieses Gefühl viele in sich tragen. Dabei gibt es verschiedene Formen des Verlassenseins – auf der physischen Ebene ist das ja genauso möglich. Es ist auf jeden Fall eine tiefe, schmerzliche Erfahrung, die das Zellgedächtnis nicht vergisst. Somit nehmen wir diese Erfahrung, die wir als Kind gemacht haben und welche oft traumatischer Natur ist, mit in unser späteres Erwachsenen-Leben.

Es kann sich in vielen unterschiedlichen Formen zeigen, z.B. in der Angst, dass der Partner einen verlässt. Oder man geht keine Bindungen ein, weil man fürchtet irgendwann verlassen und enttäuscht zu werden. Oft können solche Menschen nicht alleine sein und haben Angst vor Einsamkeit oder fühlen sich schon einsam. Es ist sehr individuell.

Thema Verlassen-Sein

„Wenn man die Liebe zu sich Selbst fühlt, ist es unmöglich sich verlassen zu fühlen.“

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Was geschieht beim Gefühl Verlassen-Sein auf einer tieferen Ebene?

Wenn man es genau betrachtet, verlässt man sich in diesem Moment Selbst. Denn wenn man sich nicht Selbst verlassen würde, so wäre dieses Gefühl nicht da.

Doch was ist das Selbst?

Das Selbst ist die Liebe, das Göttliche, das Universum in uns. Das, was wir in Wirklichkeit SIND. In dem Augenblick, in dem wir uns verlassen, trennen wir uns also von der Liebe. Dies verursacht das Gefühl des Schmerzes der Getrenntheit.

Es hat im Grunde also nichts mit dem Anderen zu tun, denn auch der andere Mensch wurde ziemlich sicher in seinem Leben ebenso auf irgendeine Weise verlassen. Es sind unbewusste Projektionen, weil man den eigenen Schmerz nicht fühlen möchte.

Aber warum sollte man sich Selbst verlassen?

Es geschieht in einer vollständigen Unbewusstheit. Es ist dem Kind oder auch schon erwachsenen Menschen einfach nicht bewusst. Doch die Erinnerung bleibt, sonst würde das Leben dadurch nicht beeinträchtigt werden.

Wie kann ich dieses Gefühl „loswerden“?

Um dieses Gefühl „loszuwerden“, ist es notwendig zum Ursprung – zur Quelle, zu dem, was wir sind, nämlich Liebe – „zurückzukehren“. Also dort hin, wo man sich Selbst verlassen hat, als es noch keine Getrenntheit gab.

Dies mache ich indem ich dieses Gefühl des Verlassen-Seins transformiere – also heile. Es ist dabei wichtig, sich dessen bewusst zu sein und sich diesem hinzugeben – also fühlen, was sich zeigt. Man kann sich dazu z.B. vorstellen, wie man das Kind, das man damals verlassen hat, in den Arm nimmt. Es darf traurig sein, es darf sich verlassen fühlen. Um diesen Schmerz zu transformieren ist es essentiell ihm nochmals zu begegnen und zu erleben. Er verschwindet durch die Annahme ganz von alleine. Das ist Heilung auf tiefster Ebene.


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